Wer in diesen Tagen bei Temperaturen von über 30 Grad durch Ketsch läuft, merkt schnell, wie wichtig gesunde und große Bäume für das Leben im Ort wären. Sie spenden Schatten, kühlen ihre Umgebung und machen Straßen und Plätze nachweislich lebenswerter. Nikolaus Eberhardt, Sprecher der Grünen sagt dazu: „Offensichtlich, Ketsch kann keine Bäume.“ „Aber gerade in Zeiten des Klimawandels sind sie keine Ideologie mehr, sondern ein unverzichtbarer Teil der öffentlichen Infrastruktur und Daseinsführsorge“, merkt Gemeinderat Günther Martin an.
Umso ernüchternder ist der Blick auf viele Straßen in Ketsch. Zahlreiche Bäume wirken klein, geschwächt oder kümmern seit Jahren vor sich hin. Viele erreichen nie die Größe, die sie eigentlich entwickeln könnten. Statt kräftiger Baumkronen sieht man oft schmale Stämme, wenige Äste und kleine Kronen, die kaum Schatten werfen. An vielen Stellen entsteht der Eindruck, dass Bäume eher verwaltet als entwickelt werden.
Besonders unverständlich wirkt der Rückschnitt der Platanen. Ortun Herold weiß: „Platanen gehören zu den widerstandsfähigsten Stadtbäumen überhaupt. Sie kommen mit Hitze vergleichsweise gut zurecht und können große Mengen Wasser verdunsten. Genau deshalb werden sie seit Jahrzehnten in vielen Städten gepflanzt. Ihre dichten Kronen schaffen Schatten und senken die gefühlte Temperatur oft um mehrere Grad. Wird die Krone stark reduziert, geht dieser Effekt zunächst verloren.“
Dabei zeigt ein Blick über die Gemeindegrenze, dass es auch anders geht. Wer durch Brühl fährt oder spaziert, erkennt schnell den Unterschied. Dort wurden Platanen in der Vergangenheit zwar ebenfalls gepflegt und teilweise zurückgeschnitten. Anschließend hat man ihnen aber die Möglichkeit gegeben, wieder kräftige Kronen zu entwickeln. Heute prägen große, gesunde Bäume viele Straßen. Sie schaffen Aufenthaltsqualität, verschatten Gehwege und machen das Ortsbild deutlich freundlicher. Es geht doch!
Ein weiteres Beispiel liefert die Enderlestraße. Dort sollten neue Bäume das Straßenbild aufwerten und langfristig für mehr Grün sorgen. Wer heute vorbeikommt, findet jedoch Staudenbeete statt Bäumen. Und viel zu viel Abstand zwischen den Bäumen. Ein Planungsfehler? Wo eigentlich Bäume angekündigt waren, entsteht deshalb bei vielen Bürgerinnen und Bürgern Enttäuschung.
Auch in der Gutenbergstraße, Ecke Goethestraße, wurden kürzlich Stauden gepflanzt. „Es ist unverständlich, warum. Statt Platz zu schaffen für richtige Bäume“, sagt Gemeinderätin Heike Schütz, die dort Anwohnerin ist. Solche hatten wir am Marktplatz, schöne großkronige Platanen. „Das neue Ziergehölz spendet nur einen Bruchteil an Schatten. Mussten die alten Platanen wirklich gefällt werden?“ erinnert Robert Brusnik, der sich damals für deren Erhalt eigesetzt hat.
Deshalb reicht es nicht aus, hin und wieder einen Baum zu pflanzen. Entscheidend ist, ob dieser Baum dauerhaft gute Bedingungen erhält. Dazu gehören ausreichend große Pflanzgruben, ein modernes Wassermanagement, regelmäßige Bewässerung während Trockenphasen und eine Pflege, die auf langfristiges Wachstum statt auf ständiges Einkürzen ausgerichtet ist. Jeder Baum ist eine Investition für viele Jahrzehnte. Wer heute spart, zahlt morgen mit höheren Temperaturen, geringerer Aufenthaltsqualität und steigenden Kosten für Klimaanpassungsmaßnahmen. Und wo kein Geld ist, müssen Bäume erste Priorität bekommen!
Auch wirtschaftlich lohnt sich eine konsequente Baumpflege. Gemeinderätin Birgit Ackermann zählt auf: „Große Stadtbäume senken den Kühlbedarf von Gebäuden, verbessern die Luftqualität, binden Kohlendioxid und erhöhen die Attraktivität von Wohngebieten. Studien beziffern den ökologischen und wirtschaftlichen Nutzen ausgewachsener Straßenbäume auf ein Vielfaches der Kosten für Pflanzung und Pflege.“
Die aktuellen Hitzewochen haben eindrucksvoll gezeigt, worauf es künftig ankommt. Klimaanpassung beginnt nicht erst bei großen Förderprogrammen oder aufwendigen Konzepten. Sie beginnt direkt vor der eigenen Haustür. Mit jedem gesunden Baum, der wachsen darf. Große Baumkronen sind keine Luxusausstattung, sondern eine Voraussetzung dafür, dass unsere Ortskerne auch in Zukunft lebenswert bleiben.
Die Grünen Ketsch sehen deshalb erheblichen Verbesserungsbedarf beim Umgang mit den Straßenbäumen. Es geht um eine langfristige Strategie, die den Wert von Bäumen als natürliche Klimaanlage erkennt. Dazu gehören eine Priorisierung von Mitteln für Pflege und Bewässerung, eine fachgerechte Entwicklung der Baumkronen und die konsequente Nachpflanzung dort, wo Bäume fehlen.
Nikolaus Eberhardt, Sprecher der Grünen Ketsch meint: „Ketsch sollte diesen Weg ebenfalls einschlagen. Denn jeder Sommer macht deutlicher: Die beste Klimaanlage einer Gemeinde wächst aus dem Boden. Man muss sie nur lassen.“
Weiter Bilder gibt es hier:
