Am 27.5.2026 ist folgender Artikel über uns in der Schwetzinger Zeitung erschienen:
Nach erneuter Begehung des Waldgebiets kritisieren die Grünen Ketsch den geplanten Kiesabbau bei Ketsch und weisen auf Schäden für Umwelt und Infrastruktur hin.
Ketsch. Die Debatte um die geplante Abholzung und den Kiesabbau im Entenpfuhl reißt in Ketsch nicht ab. Nach zahlreichen Stellungnahmen aus der Bürgerschaft, intensiven Diskussionen und einer breiten Berichterstattung haben sich nun auch die Grünen Ketsch erneut direkt vor Ort informiert.
Bei einer weiteren Begehung des betroffenen Waldgebietes verschaffte sich der Ortsverband ein aktuelles Bild der Lage und ordnete die unterschiedlichen Interessen und Argumente nochmals ein. Das Ergebnis fällt eindeutig aus: Die Grünen sprechen sich weiterhin klar gegen das Vorhaben aus.
Nach Einschätzung des Ortsverbandes überwiegt in der Bevölkerung deutlich die Sorge über die möglichen Folgen des Projekts. Viele Bürger befürchten langfristige Auswirkungen auf Natur, Klima, Lebensqualität und die Infrastruktur der Gemeinde.
Eingriffe in die Natur in Ketsch vielseitiger bewerten
Für die Grünen Ketsch steht deshalb fest, dass ein solcher Eingriff nicht allein unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden dürfe. Vielmehr müssten ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gemeinsam betrachtet und verantwortungsvoll gegeneinander abgewogen werden.
„Im Mittelpunkt der Diskussion steht dabei nicht nur der Schutz einzelner Arten. Zwar spielt etwa der streng geschützte Körnerbockkäfer in der öffentlichen Debatte eine Rolle, doch eine solche Betrachtung greift zu kurz. Der Wald im Entenpfuhl erfüllt zahlreiche Funktionen gleichzeitig und ist weit mehr als lediglich eine potenzielle Rohstofffläche“, heißt es in einer Pressemitteilung.

Ortun Herold betont die Bedeutung des Gebietes insbesondere aus ökologischer Sicht. Der Wald sei „Lebensraum für Tiere und Pflanzen, Naherholungsgebiet für die Menschen in Ketsch, CO₂-Speicher, natürlicher Hitzeschutz und wichtiger Bestandteil des lokalen Wasserhaushalts“.
Gerade angesichts zunehmender Trockenperioden und immer häufiger auftretender Hitzephasen werde deutlich, wie wichtig der Erhalt solcher Flächen inzwischen geworden sei. Wälder seien längst nicht mehr nur Naturraum, sondern auch ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität der Bevölkerung und den lokalen Klimaschutz.
Die Grünen Ketsch machen zugleich deutlich, dass sie wirtschaftliche Interessen keineswegs grundsätzlich infrage stellen. Rohstoffgewinnung und wirtschaftliche Tätigkeit gehörten zu einer funktionierenden Gesellschaft dazu, ebenso dürften Unternehmen Gewinne erzielen. Entscheidend sei jedoch, dass mögliche Gewinne nicht auf Kosten der Allgemeinheit entstünden. Denn die Folgen eines großflächigen Eingriffs würden letztlich von den Menschen vor Ort getragen.
Kiesabbau im Entenpfuhl: Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur
Besonders kritisch sehen die Grünen die Auswirkungen auf Verkehr und Infrastruktur. Gemeinderätin Birgit Ackermann verweist dabei vorwiegend auf den zusätzlichen Schwerlastverkehr, der durch einen Kiesabbau entstehen würde. Aus ihrer Sicht sei es „nicht sinnvoll, zusätzlichen Lkw-Verkehr durch die Region zu erzeugen, wenn es alternative Möglichkeiten gäbe“. Stattdessen müsse geprüft werden, ob andere Standorte mit direkter Anbindung an den Rhein besser geeignet wären.
Ein Transport per Schiff könne die Straßen und Anwohner deutlich entlasten, argumentiert Ackermann weiter. Zudem wäre ein solcher Transportweg klimafreundlicher als tausende zusätzliche Fahrten schwerer Lastwagen. Fragen der Verkehrssicherheit, der Infrastrukturbelastung und der Lebensqualität müssten bei derartigen Projekten aus Sicht der Grünen wesentlich stärker berücksichtigt werden, als dies bislang geschehe.
Auch Gemeinderat Günther Martin warnt vor langfristigen Folgen des Vorhabens. Er sieht die Gefahr, dass die gesellschaftlichen Kosten am Ende deutlich höher ausfallen könnten als der kurzfristige wirtschaftliche Nutzen. „Belastungen für den Lärmschutz, zusätzlicher Schwerlastverkehr, mögliche Schäden an Infrastruktur sowie negative Auswirkungen auf Umwelt- und Klimaschutz würden über Jahrzehnte spürbar bleiben“, erklärt Martin. Aus Sicht der Grünen dürfe deshalb nicht nur auf die unmittelbare wirtschaftliche Rentabilität eines Projekts geschaut werden. Ebenso wichtig sei die Frage, welche Konsequenzen künftige Generationen tragen müssten.
Für Nikolaus Eberhardt, Sprecher der Grünen Ketsch, ist die Diskussion um den Entenpfuhl deshalb auch eine grundsätzliche Frage politischer Verantwortung. „Zukunftsfähige Politik bedeutet, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Vernunft miteinander zu verbinden“, betont er. Nachhaltigkeit dürfe kein bloßes Schlagwort bleiben, sondern müsse sich gerade bei großen Eingriffen in Natur und Landschaft konkret zeigen.
Nach Auffassung des Ortsverbandes besitzt der Entenpfuhl für viele Menschen in Ketsch eine weit größere Bedeutung als nur die eines möglichen Abbaugebietes. Das Waldstück sei Teil der natürlichen Lebensqualität der Gemeinde und erfülle wichtige Funktionen für Umwelt, Klima und Erholung. Genau deshalb verdiene die Fläche besonderen Schutz.

Henrik Feth Redaktion Verantwortlicher Redakteur für die Gemeinde Ketsch
