Alte Eichen, seltene Fledermäuse und die Urform des Rieslings – bei der Exkursion auf der Ketscher Rheininsel entdeckten Naturliebhaber ein einzigartiges Auenwald-Paradies.
14.2.2026, von Henrik Feth
Ketsch. Zwischen den sanften Flussarmen des Rheins liegt ein grünes Kleinod, das seit Jahrhunderten seine Geheimnisse bewahrt: die Ketscher Rheininsel. Für rund 60 naturbegeisterte Teilnehmer öffnete sich dieses Paradies jetzt zu einer spannenden Exkursion der .
Unter der fachkundigen Führung von Forstexperte und Naturschutz-Sachverständigem Dr. Volker Späth sowie Landtagsabgeordnetem Dr. Andre Baumann erkundeten sie einen der artenreichsten Auenwälder der Kurpfalz – ein Ort, an dem alte Eichen Geschichten von jahrhundertealten Lebensgemeinschaften erzählen und die Wildrebe den Grundstein für den Riesling legt.
Für Baumann, promovierter Biologe und seit Jahrzehnten mit der Rheininsel vertraut, ist das Gebiet weit mehr als ein schönes Ausflugsziel. Die Rheininsel sei ein einzigartiger Naturschatz, an dem sich eindrucksvoll zeige, wie eng Natur, Klima und menschliches Handeln miteinander verwoben sind. Die regelmäßig überschwemmten Rheinauen gehörten zu den artenreichsten Ökosystemen Mitteleuropas – ein „Amazonas vor der Haustür“. Seltene Vogelarten wie der Mittelspecht, zahlreiche Fledermäuse und viele weitere spezialisierte Arten finden hier einen unverzichtbaren Lebensraum, insbesondere in alten, höhlenreichen Bäumen.
Themen bei der Rheininselbegehung in Ketsch: Hochwasser und Krankheiten
Während des Rundgangs durch die vielfältige Waldlandschaft erläuterten Baumann und Späth die komplexen ökologischen Zusammenhänge des Auenwaldes. Hochwasser, Klimaveränderungen und eingeschleppte Krankheiten prägen die Entwicklung des Waldes zunehmend. Besonders betroffen ist die Esche, die durch einen aus Asien eingeschleppten Pilz stark bedroht wird.

Eine zentrale Rolle spielen dagegen die alten Eichen, die als ökologisches Rückgrat des Waldes gelten. An nur einer einzigen Eiche können bis zu 400 Nachtfalterarten leben, wie Späth eindrucksvoll verdeutlichte. Solche Bäume seien nicht nur Lebensraum, sondern ein tragendes Fundament für das gesamte Waldökosystem.
Anschaulich wurde auch die besondere Dynamik der Auenlandschaft erklärt. In den tiefer gelegenen Bereichen der Weichholzaue stehen Silberweiden, die lange Überflutungen überstehen können, indem sie spezielle Adventivwurzeln am Stamm ausbilden und so Sauerstoff direkt aus dem Wasser aufnehmen. In der höher gelegenen, seltener überschwemmten Hartholzaue dominieren hingegen Eichen, Eschen, Ulmen und Bergahorn. Gerade die alten Eichen mit ihren ausladenden Ästen und zahlreichen Spechthöhlen bieten seit Jahrzehnten Raum für eine Vielzahl von Tierarten, darunter auch seltene Fledermäuse wie die Bechsteinfledermaus.
Ein besonderer Schwerpunkt der Exkursion lag auf den Wildrebenbeständen der Rheininsel, der ursprünglichen Form der heutigen Weinreben. Ohne die Wildrebe, so Baumann, gäbe es keinen Riesling. Diese Pflanzen besitzen nicht nur hohen naturschutzfachlichen, sondern auch kulturhistorischen Wert. Lange Zeit fehlte jedoch der Nachwuchs, sodass ihr Fortbestand gefährdet war.
Grünen-Gemeinderat: Wildreben vor Menschen schützen
Grünen-Gemeinderat Günther Martin erläuterte, dass menschliche Eingriffe den Wildreben stark zusetzen können. Erst durch gezielte Waldrandpflege und das Schaffen kleiner Lichtungen sei es gelungen, eine natürliche Verjüngung anzustoßen. Entscheidend sei zudem, alte und uralte Wildreben bei forstlichen Arbeiten konsequent zu schützen. Der Erhalt dieser Bestände sei eine Verantwortung, die weit über die Gemeindegrenzen hinausreiche, betonte Baumann.
Dr. Volker Späth, langjähriger Leiter des Instituts für Landschaftsökologie und Naturschutz in Bühl, kennt die Rheininsel aus früheren wissenschaftlichen Untersuchungen und hatte das Gebiet im Vorfeld erneut begangen. Er machte deutlich, dass der richtige Ausgleich zwischen Nutzung und Schutz entscheidend sei. Alte Bäume müssten in allen Waldflächen erhalten bleiben, da sonst Fledermäuse, Spechte und zahlreiche Insekten ihre Lebensgrundlage verlören.
Die Pflanzung junger Eichen begrüßte Späth ausdrücklich – viele von ihnen würden in einigen Jahrzehnten mächtige, artenreiche Lebensräume bilden. Diese Einschätzung teilte auch Nikolaus Eberhardt, Sprecher der Ketscher Grünen, der sich seit vielen Jahren für den Schutz der Rheininsel engagiert.
