Wer sich an die 1980er-Jahre er- innert, weiß: Ein Sommerabend bei den Ketscher Kleingärten war oft fast nicht auszuhalten, denn Stechmücken fielen in Scharen über einen her. Erst durch die konsequenten Maßnahmen der Kommunale Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage (KABS) wurde die Situation in den Folgejahren deutlich verbessert. Damals ging es um unsere heimischen Schnaken. Heute stehen wir vor einer neuen Herausforderung: der Asiatischen Tigermücke. Anders als die klassische Schnake ist sie auch tagsüber aktiv und fliegt nahezu geräuschlos. In den vergangenen Jahren haben die Kommunen entlang des Rheins viel investiert, um ihre Ausbreitung zu verhindern. Doch der Klimawandel erschwert diese Bemühungen erheblich. Steigende Durchschnittstemperaturen führen dazu, dass mehr Eier und Larven den Winter überstehen, früher schlüpfen und sich schneller entwickeln. Die Realität ist daher: Die Tigermücke ist gekommen, um zu bleiben. Es geht inzwischen vor allem darum, ihre Population möglichst einzudämmen. Denn sie ist nicht nur lästig. Die Tigermücke kann Krankheiten wie Dengue- oder Chikungunyafieber übertragen – Infektionen, die lange als reine Tropenkrankheiten galten. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass mit dem Klimawandel auch in Europa das Risiko für solche Erkrankungen steigt. Längere Warmphasen sowie Starkregen und Hochwasser begünstigen Mückenplagen und erweitern die Lebensräume dieser Arten. Gleichzeitig hat sich die Zahl infizierter Reiserückkehrender zuletzt mehr als verdoppelt. Eine Übertragung erfolgt, wenn infizierte Personen von Tigermücken gestochen werden. Bei ausreichend warmen Temperaturen können sich dann die Krankheitserreger in der Tigermücke vermehren und bei einem weiteren Stich auf eine andere Person übertragen werden. Da etwa Dengue-Infektionen auch ohne Symptome verlaufen können, bleibt dieses Risiko oft unbemerkt. Das Landesgesundheitsamt empfiehlt daher Reiserückkehrenden aus tropischen und subtropischen Regionen, sich auch nach ihrer Rückkehr für etwa zwei Wochen konsequent vor Mückenstichen zu schützen. So kann eine Weiterverbreitung reduziert werden. Denn erste Entwicklungen in Europa zeigen, wohin die Reise geht: In Frankreich und Italien kommt es bereits zu lokalen Übertragungen. So wurde 2025 im Elsass ein Fall registriert, bei dem sich eine Person ohne Auslandsreise infiziert hat. Auch frühere Ausbrüche wie 2007 in Norditalien mit über 200 Erkrankten machen die Dimension deutlich. Gleichzeitig stehen die Kommunen finanziell unter Druck. Immer mehr Städte und Gemeinden reduzieren oder beenden daher ihre Beteiligung an Bekämpfungsmaßnahmen. Wir als Grüne Fraktion sprachen uns dafür aus, bereits ab der Saison 2026 auf die Bti-Behandlung durch die KABS komplett zu verzichten und stattdessen auf Eigenverantwortung zu setzen: Die Vermeidung von Brutstätten – etwa durch das Entfernen von stehendem Wasser in Gärten und auf Balkonen – ist mit einfachen Mitteln möglich und entscheidend für den Erfolg. Die Gemeindeverwaltung stellt zudem kostenfrei Bti-Tabletten zur Verfügung. Ein Ausstieg aus der bisherigen Bekämpfung würde finanzielle Mittel freisetzen, die wir dringend für Klimaschutz und Anpassungsmaßnahmen benötigen – gerade auch in Bereichen, wo die Bevölkerung vielleicht nicht so leicht selbst aktiv werden kann. Denn eins ist klar: Die Tigermücke ist vermutlich erst der Anfang weiterer Herausforderungen, die der Klimawandel auch bei uns mit sich bringt.
Zur Tigermückenbekämpfung in Ketsch
